Vorwort

 

Nicht immer ist das Sammlerobjekt in einem vorzeigbaren Zustand. Oft genug ist sein fortbestehen wie bei nebenstehendem Objekt durch Rost bedroht, bei Außenlaternen naturgemäß häufiger als bei schicken Innenlampen.

 

Jeder Sammler wird über kurz oder lang mit dem Problem des Entrostens konfrontiert werden, und jeder wird für sich einen akzeptablen Weg finden müssen.

 

Die dreidimensionale Komplexität von Laternen führt einen ziemlich schnell weg von mechanischer Rostentfernung über kostenintensives Strahlen hin zu chemischen Verfahren.

 

Auch da gibt es kein Universalverfahren, jeder designt sein Verfahren entsprechend den persönlichen Möglichkeiten und Bedürfnissen, und das ist auch gut so. Trotzdem kann es nicht schaden ein paar Empfehlungen mit auf den Weg zu geben.

 

Grundsätzliches

 

Als erstes sollte man sich für die Größe der Ausrüstung am Arbeitsobjekt orientieren. Ein Bad sollte nach meiner Empfehlung doppelt so groß sein wie das größte zu erwartende Objekt. Warum? Wenn ich eine Mischluftlaterne behandel ist die gut und gerne 40cm hoch und besteht aus mehreren Teilen, unter anderem meist dem Schutzgitter. Optimalerweise sollte man alles zusammen und gleichzeitig behandeln können  - also doppelter Platz.

 

Interessant und sparsam erscheint ein 250er KG- Rohr, doch würde ich davon abraten. Neben den gerade genannten Gründen für den Platzbedarf ist es zu wackelig,  die Füllstandschwankungen sind etwas nervig, und - versuchen sie mal was vom Grund zu fischen was ihnen in das Bad gefallen ist. Da stecken sie bin zum Ellbogen drin. Muss man nicht haben.

 

Ich empfehle eine stabile rechteckige Kiste aus Kunststoff, eine geschlossene Eurokiste, Postbehälter oder Mörtelkübel. Keine Metallkiste, kein Topf und keinen Eimer, jedenfalls nicht wenn man mehr als eine FH 275 entrosten will. Das Volumen sollte bei 20 - 30l liegen.

Aquarien gehen auch, allerdings sind sie nicht so sicher händelbar wie Kunststoff, vor allem wenn man sie mal ausschütten will. 

 

Chemisches entrosten im Säurebad

Über mehrere Jahre verwendete ich bei der Restauration 2 Arbeitsplätze.

 

Zum Entlacken einen großen Plastikeimer, mit Natronlauge (Abflußreiniger). Das war immer etwas nervig, weil zu klein bei großen Laternen.

Zum Entrosten eine 25L Box mit Zitronensäure. In der letzten Ausbaustufe stand sie auf einem elektrischen Heizmatten- Fußabtreter und war mit einem 200W Aquariumheizstab bestückt. Das war schon ziemlich effektiv. Ein Rührer oder eine Kreislaufpumpe hätte die Effizienz noch verbessert.

Der Vorteil eines solchen Entrosterbeckens:

- man kann einfach alles reinwerfen, nichts muss vorbereitet oder präpariert werden.

- mit Zitronensäure vom Supermarkt an der Ecke ist es in 5min einsatzbereit

 

 

Was allerdings nicht so schön war - das Gematsche mit der Zitronensäure die sich ziemlich schnell in stinkende braune Brühe verwandelt und auch gerne zum schimmeln neigt. Außerdem hatte ich immer extreme Oxidationsprobleme, kaum das ich die Objekte aus dem Bad genommen hatte. 5 min und der erste bräunliche Schimmer war da.

 

Natürlich lässt sich das Enrosterbad optimieren. Temperatur, Zitronensäurekonzentration, Phosphorsäurezusätze usw. Aber will man das alles ? 

 

 

Elektrochemisches Entrosten

Neben dem rein chemischen Entrosten kursieren noch Anleitungen zum elektrochemischen Entrosten. Der materielle Aufwand ist zunächst höher. Neben den entsprechenden Wannen benötigt man Elektroden und ein passendes Netzteil.  Als Elektrodenmaterial kann Edelstahlblech empfohlen werden. Es ist kostengünstig und leicht verfügbar. Die Elektrodenfläche sollte nicht zu klein gewählt werden. Bierdeckelgröße ist ein guter Ausgangspunkt, mehr Fläche ist nur von Vorteil.

Als Netzteil benötigt man ein Gleichspannungsnetzteil mit nicht mehr als 40V und maximal etwa 6 A. Alles was kleiner ist geht auch, selbst alte Handynetzteile. Viele verwenden ein altes Autobatterie- Ladegerät, optimalerweise will man aber wissen was los ist, die Empfehlung lautet also auf ein altes Labornetzteil mit Spannung und Stromanzeige. 

Dann benötigt man noch einen Elektrolyten um das Wasser gut leitfähig zu bekommen. Die Hausfrauenempfehlung lautet: ein oder mehrere Tütchen Backpulver, je nach Wassermenge. Man schafft also ein basisches Natronbad, mal vereinfacht gesagt. Wer kann und hat verwendet technisches Natriumhydroxid (NaOH), gibt es als Pellets.

 

Ein Beispielaufbau:

 

Eine stabile Kunststoffbox als Basis, ca 25 Liter Füllmenge bis Griffmulde.

Aus einem alten geschlachteten  Bioreaktor habe ich eine Box extrahiert die die perfekten Maße hatte. Einmal diagonal aufgeflext. Die zwei Hälften haben optimalerweise schon zwei Schraubabschlüsse dran.

Meine Opferelektrode besteht also aus zwei Flächen die diagonal im Elektrolysebad sitzen. Das ist schon mal gut.

Als Stromversorgung kommt ein ausrangiertes Labornetzteil zum Einsatz.

Pluspol mit den zwei Edelstahlelektroden verbunden, Minus an die Lampe - einschalten.

 

Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens - im besten Fall entfernt es nicht nur den Rost, sondern löst auch Farbschichten. Diese werden - simpel gesagt - von der Metalloberfläche abgesprengt, ohne zusätzliche Chemie. 

 

Ein wesentlicher Nachteil des Verfahrens: Die Entrostungsleistung hängt wesentlich vom Abstand zwischen Objekt und Elektrode ab - dies ist bei dreidimentionalen Objekten ein Problem. Verdeckte Metallflächen wie Brennerräume werden überhaupt nicht erreicht.

 

 Das weitere Problem beim elektrochemischen Entrosten - jedes Teil benötigt elektrischen Kontakt, sonst bleibt es rostig. Einen Tankdeckel entrosten? - Na dann basteln sie erst mal einen Draht dran....

 

 

Kompromiss

Ein Elektrolyt muss nicht zwingend basisch sein. Es ist auch möglich eine Elektrolyse in Zitronensäure durchzuführen. Das hat sogar Vorteile - man erreicht auch die Stellen die per Elktrolyse nicht entrostet werden da in dem Bereich kein Stromfluss stattfindet, weil woanders der Elektrodenabstand kleiner ist, oder Innenräume, oder Komponenten ohne elektrischen Kontakt. Gleichzeitig führt die Elektrolyse jedoch zu Bewegung und Erwärmung im Wasser, wodurch die chemische Entrostung begünstigt wird. Außerdem ist nach meiner Erfahrung die schwarzfärbende Oxydbildung geringer und vor allem leichter entfernbar.

 

Nachwort

 

Auch chemisches und elektrolytisches Entrosten ist keine Verfahren bei dem gilt: rein, raus, ferig. Es mag bezeichnend sein das ein erfahrender Chemiker in Bezug auf die Entrostung von Laternen mit der Meinung schloß, eine gut angepasste Strahlanlage wäre eigentlich als Verfahren vorzuziehen um eine möglichst saubere homogene Oberfläche zu erhalten.

 

Dies kann ich nur bekräftigen. Die Laternen die ich gesehen habe die mittels Glasperlfeinstrahlen bearbeitet wurden zeigen ein schönes homogenes Oberflächenbild mit minimaler Anfälligkeit gegen Flugrost.