Hermann Buchholtz führte die Blechwarenfabrik Aubach ( Niederbieber, b. Neuwied, Rhein). Die Firma wurde 1886 gegründet.

Die Firma hielt ab 1890 Deutsche und Schweizer Patente für ihre besondere Laternenkonstruktion. Als Logo wurde ein Engel mit Trompete verwendet.

Noch mehr als Breitenstein bestechen die Laternen durch interessante technische Lösungen.

Die Blechwarenfabrik Aubach Herm. Buchholz KG exsistierte bis kurz vor die Jahrtausendwende. Am 10. 8. 1999 erlosch die Firma nach Liqudation.

 

Die Firma ist auch in anderen Sammlerkreisen ein Begriff, den sie fertigte Reklame- Blechschilder.

H. Buchholtz "Deutsche Reichs-Sturmlaterne"

 

Wie man sehen kann war der Anfang das Elend pur. Na möglicherweise gibt es mal noch eine Zweite dachte ich. Zumindest ist Tankdeckel und Brenner noch da und der viereckige originale Glaskasten ist auch selten, vor allem noch in so einer Laterne.  Und sie ist alt, geht auf die 120 Jahre zu.

 

Das ist so ziemlich das aufwendigste was ich je bei einer Mischluftlaterne gesehen habe. Der Herr Buchholz liefert damit anspruchsvolle und teure Arbeit ab. Man sehe sich nur mal die Qualität der technischen Zeichnungen im Patent an - hier war kein einfacher Blechklempner zugange.

 

Im Sommer 2017 konnte ich dann doch nicht mehr an mich halten und habe sie mal vorsichtig zerlegt.  Der filigrane Tankdeckel aus Messingblech zerbröselte beinahe und ließ sich nicht öffnen. Ich hab ihn samt Gegengewinde ausgelötet, nach 12h WD40 und 2h Ultraschall bekam ich es dann auseinander...

Die Hauchdünnen Reste des Tankdeckels werde ich nach dem Säubern und Zusammensetzen wohl im Innern durch ausgießen stabilisieren müssen.

 

Der Brenner und Brennerkappe ist in gutem Zustand - und auch aus Messing. Essigbad und aufpolieren machen da Spaß. Der originale Brenner entpuppte sich als ein Modell von Thiel & Bardenheuer, Ruhla. Er ist ein anspruchsvoller Mix aus Messing, Kupfer und vermutlich vernickeltem Eisenblech.

 

Der viereckige Glaskasten lieferte noch eine ganze Scheibe, der Ersatz war noch die leichteste Übung. Der Rest hatte die Konsistenz von Papier und wurde nach dem entrosten mit Korrosionsschutzöl behandelt.

 

Der ungewöhnliche Tank barg eine weitere Überraschung. Der äußere Ring ist das Speicherreservior. In Bodenhöhe geht ein Flußrohr zum mittleren Saugtank. In diesem sitzt ein Saugrohr aus Kupfer welches den Docht führt und den Brennereinsatz hält. Der obere Abschluß des Saugtanks dient als Halter der Brennerkappe und ist separat aus Kupfer ausgeführt. Nach dem entrosten ein einziges Sieb. 1/4  des Tankes musste ich komplett Nachverzinnen um die Löcher zu schließen.

 

Nicht groß anders der Blaker. Mehr Sieb als Blech. Einmal komplett verzinnen bitte...

 

Das Gestänge des Glashebers ist auf beiden Seiten in gleicher Höhe abgetrennt. Möglicherweise ist das gar keine Beschädigung sondern wurde bei Verkauf absichtlich gemacht. Eine Laterne mit Glaskasten und Tür braucht keinen Heber. 

 

Für die weitere chirurgische Operation greife ich auf einen Bekannten zurück, seines Zeichens Heizungsbauer und mit Rohren vertraut.  Der Plan ist das er komplett neue Luftrohre biegt und ich die einlöte. Wenn das klappt ernennen wir uns zum Laternenbaumeister ehrenhalber. Und es klappt.

 

Die Laterne hab ich dann mit Zinkspray grundiert und nachgeschliffen, anschließend schwarz seidenmatt lackiert.

 

Abschließend muss ich sagen - ja, man hätte es noch besser machen können. Aber ich kann nicht 1 Woche Urlaub für eine Laterne opfern, also muss ich mit gewissen Abstrichen leben.

 

 

 

Baujahr: Verkauf belegt ab 1890. Dieses Modell etwa um 1904, basierend auf der moderneren Form der Luftrohre.

Danke für die Unterstützung und weiterführenden Informationen bei der Identifizierung an J. Wekenmann.